Shopware 5 hat seit dem 31. Juli 2024 sein offizielles Support-Ende erreicht – keine Sicherheits-Updates, keine funktionalen Updates mehr. Wenn dein Shop noch darauf läuft, ist die Frage nicht mehr ob du handelst, sondern wann und wie. Spätestens die neuen Pflichten 2026 (Widerrufsbutton ab 19.06., Barrierefreiheit) machen aus dem schleichenden Problem ein akutes.
Dieser Leitfaden ist bewusst kein Hochglanz-Verkaufstext. Er beantwortet die Fragen, die Shop-Betreiber wirklich stellen: Was kostet die Migration realistisch? Wie lange dauert sie? Lohnt sich Shopware 6 überhaupt – oder ist Shopify die bessere Wahl? Und vor allem: welche Fehler dich teuer zu stehen kommen.
(Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung – im Zweifel einen auf E-Commerce spezialisierten Anwalt hinzuziehen.)
TL;DR
- Shopware 5 ist EOL (seit 31.07.2024): keine Sicherheits-/Funktions-Updates. Betrieb wird zum Risiko.
- Migration ≠ Update: Shopware 6 ist technisch ein anderes System (Symfony statt Zend, Twig statt Smarty). Daten ziehen um, Theme und Plugins werden neu gebaut.
- Kosten realistisch: kleiner Shop ~10–25 k €, Mittelstand mit B2B/Individualisierung ~25–60 k €, komplex 100 k €+. Es ist ein Relaunch, kein Patch.
- Dauer: 2–6 Monate, je nach Komplexität und Datenqualität.
- Drei Wege: auf SW5 bleiben (nur sehr kurzfristig vertretbar), zu Shopware 6 migrieren oder zu Shopify wechseln – die Entscheidung gehört an den Anfang, nicht ans Ende.
- Größter versteckter Hebel: der SEO-Umzug (301-Redirects). Wer ihn vergisst, verliert Rankings und Umsatz.
- Förderung prüfen: Beratungsleistungen rund um die Migration können ggf. über die BAFA-Förderung für Unternehmensberatung bezuschusst werden.
Warum jetzt? Shopware 5 ist End of Life
„Läuft doch noch" ist bei Shopware 5 ein trügerisches Gefühl. Das End of Life (EOL) bedeutet konkret:
- Keine Sicherheits-Updates mehr. Jede neu entdeckte Lücke bleibt offen – ein wachsendes Risiko für Kundendaten, Zahlungsabwicklung und deine Haftung.
- Keine funktionalen Updates mehr. Neue gesetzliche Pflichten (Widerrufsbutton, Barrierefreiheit) musst du in SW5 mühsam selbst nachrüsten – Standardlösungen zielen längst nur noch auf Shopware 6.
- Schrumpfendes Ökosystem. Plugin-Hersteller und Dienstleister stellen den SW5-Support nach und nach ein. Kompatible Erweiterungen werden seltener und teurer.
- Veraltete Technik im Unterbau. SW5 setzt auf alte PHP-Versionen, deren Hosting-Support ebenfalls ausläuft.
Ein Shop im Wartungsmodus auf SW5 ist also kein stabiler Zustand, sondern ein Countdown. Die ehrliche Faustregel: Du kannst SW5 noch eine begrenzte Zeit betreiben, aber nicht mehr sicher weiterentwickeln.
Migrieren, bleiben oder wechseln? Die Entscheidung
Bevor irgendjemand über Technik redet, gehört diese Frage geklärt – sie entscheidet über alles Weitere. Drei Optionen:
| Option | Für wen | Vorteil | Haken |
|---|---|---|---|
| Auf SW5 bleiben (+ Nachrüsten) | Nur als Brücke für wenige Monate | Kein Projekt jetzt | Sicherheitsrisiko, Compliance-Flickwerk, keine Zukunft |
| Migration zu Shopware 6 | B2B, komplexe Sortimente, viel Individualisierung, Shopware-Know-how im Haus | Volle Kontrolle, gewohntes Ökosystem, B2B-Tiefe | Höherer Aufwand, eigenes Hosting/Wartung |
| Wechsel zu Shopify | B2C, schlankere Prozesse, kleines Team ohne Dev-Ressourcen | Geringe Wartung, schnell live, niedrige Total Cost of Ownership | Transaktionsgebühren, weniger Customizing, schwächere B2B-Funktionen |
Unterschied Shopware 5 und 6 – das musst du wissen
Der wichtigste Satz vorweg: Eine Migration von Shopware 5 auf 6 ist kein Update, sondern ein Neuaufbau. Shopware 6 wurde von Grund auf neu entwickelt:
- Technologie: Symfony + API-first statt des alten Zend-Unterbaus.
- Templates: Twig statt Smarty – bestehende Themes lassen sich nicht portieren, sie werden neu gebaut.
- Plugins: SW5-Plugins laufen nicht in SW6. Du brauchst SW6-Pendants oder Neuentwicklungen.
- Daten: Produkte, Kunden und Bestellungen ziehen über den offiziellen Shopware Migrations-Assistenten um – Design und Individualcode nicht.
Wer „shopware 5 vs 6" googelt und auf ein simples Update hofft, wird enttäuscht. Wer es als Relaunch plant, fährt richtig.
Was kostet eine Migration von Shopware 5 auf 6?
Die ehrliche Antwort, die du auf den meisten Agentur-Seiten nicht bekommst: Es hängt ab – und zwar stark. Weil es ein Neuaufbau ist, treiben dieselben Faktoren die Kosten wie bei einem neuen Shop:
- Anzahl Produkte und Datenqualität (unsaubere Daten wandern unsauber mit – Aufräumen kostet)
- Zahl und Komplexität der Drittanbieter-Plugins und Individualfunktionen
- Grad der Design-Individualisierung (Standard-Theme vs. maßgeschneidert)
- Schnittstellen (ERP, PIM, Payment, Versand, Marketing)
- B2B-Anforderungen (Preisstaffeln, Kundengruppen, Angebote)
Erfahrungs-Richtwerte (DACH, 2026):
| Shop-Typ | Größenordnung |
|---|---|
| Klein, standardnah, wenige Plugins | ~10.000–25.000 € |
| Mittelstand, B2B-Anteil, Individualisierung | ~25.000–60.000 € |
| Komplex, viele Schnittstellen, hohe Individualisierung | 100.000 €+ |
Dazu kommen laufende Kosten für Hosting, Wartung und Updates. Tipp: Lass dir keinen Pauschalpreis ohne saubere Bestandsaufnahme geben – seriös ist nur ein Angebot, das deine Plugins, Daten und Schnittstellen vorher analysiert hat.
Förderung: Migrations- und Strategieberatung fällt häufig unter klassische Unternehmensberatung – und kann unter Umständen über die BAFA-Förderung bezuschusst werden. Das klärt man am besten vor Projektstart. Wie das konkret abläuft, zeigt unser Relaunch-Fahrplan mit BAFA-Förderung.
Die 5 Phasen der Migration (Umstieg Shopware 5 auf 6)
Ein realistischer Umstieg läuft in fünf Phasen ab – mit ehrlichen Stolperstellen je Phase:
- Planung & Analyse. Bestandsaufnahme: Welche Plugins, welche Individualfunktionen, welche Schnittstellen, wie sauber sind die Daten? Hier entscheidet sich der halbe Projekterfolg. In diese Phase gehört auch die BAFA-Förderung: Der Antrag muss vor Beginn der Beratung gestellt werden – rückwirkend geht nichts. *Häufiger Fehler: zu früh loslegen ohne Inventur.
- Migrationsumgebung aufsetzen. Frische Shopware-6-Instanz plus Migrations-Assistent, Verbindung zum alten SW5-Shop. Häufiger Fehler: produktiv statt in einer Staging-Umgebung arbeiten.
- Daten + Design übertragen. Daten via Assistent, Theme und Templates werden in Twig neu gebaut, Plugins als SW6-Version ersetzt. Häufiger Fehler: erwarten, dass das Design „mitkommt".
- Test & Relaunch-Vorbereitung. QA in Staging, Funktions- und Bestelltests, 301-Redirect-Mapping der alten URLs. Häufiger Fehler: Redirects vergessen (siehe unten).
- Go-Live & Nachsorge. DNS umstellen, Monitoring, Rankings und Fehler-Logs beobachten, nachjustieren. Häufiger Fehler: nach Go-Live abschalten statt nachsteuern.
Die unterschätzten Baustellen
Die Technik-Migration kennt jede Agentur. Die folgenden Punkte sind es, an denen Projekte teuer werden – oder Umsatz kosten:
- SEO-/URL-Umzug (der größte Hebel). Shopware 6 hat eine andere URL-Struktur. Ohne sauberes 301-Redirect-Mapping verlierst du Rankings, die du dir über Jahre aufgebaut hast – der häufigste und schmerzhafteste Migrationsfehler.
- Rechtstexte & Widerrufsbutton. Compliance wandert nicht automatisch mit. Auch dein neuer SW6-Shop braucht ab 19.06.2026 einen rechtssicheren Widerrufsbutton. → Details im Leitfaden Widerrufsbutton in Shopware 5.
- Drittanbieter-Plugins. Nicht portierbar. Für jedes Plugin brauchst du ein SW6-Äquivalent – oder eine bewusste Entscheidung, es wegzulassen.
- Individualisierungen. Jede Sonderfunktion aus SW5 muss in SW6 neu gedacht werden. Gute Gelegenheit, Altlasten loszuwerden.
- Datenqualität. Karteileichen, doppelte Kunden, inkonsistente Kategorien – vor der Migration aufräumen, nicht danach.
- Schnittstellen. ERP, PIM, Payment, Versand: jede Integration neu anbinden und testen.
In Eigenregie, mit Agentur oder Berater?
- Eigenregie: Nur realistisch für technisch starke Teams mit einfachem Shop. Das SEO- und Datenrisiko unterschätzen viele.
- Agentur: Setzt um – aber achte auf typisches „Agentur-Marketing": überdimensionierte Pakete, Tech-Lock-in, Pauschalpreise ohne Analyse.
- Senior-Berater (vendor-neutral): Plant, steuert und bewertet objektiv – auch die unbequeme Frage „Shopware 6 oder doch Shopify?". Verhindert die teuren Fehler, statt sie zu produzieren.
Genau hier setzen wir an: Wir begleiten Shopware-5-Betreiber durch die Migration – von der ehrlichen Bestandsaufnahme über die Plattform-Entscheidung bis zum sauberen SEO-Umzug (so sieht der Relaunch-Fahrplan aus). Ohne Agentur-Floskeln, mit Blick auf das, was deinem Geschäft wirklich nützt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Migration von Shopware 5 auf 6?
Je nach Komplexität und Datenqualität etwa 2 bis 6 Monate. Kleine, standardnahe Shops sind schneller; bei vielen Plugins, Schnittstellen und Individualisierungen wird es mehr. Den größten Zeitfaktor bildet meist die Vorbereitung (Analyse + Datenbereinigung), nicht die eigentliche Datenmigration.
Was kostet eine Shopware-5-auf-6-Migration?
Als Erfahrungs-Richtwerte: kleiner, standardnaher Shop ~10.000–25.000 €, Mittelstand mit B2B/Individualisierung ~25.000–60.000 €, komplexe Projekte 100.000 €+. Da es ein Neuaufbau und kein Update ist, treiben dieselben Faktoren die Kosten wie bei einem neuen Shop. Ein seriöses Angebot setzt immer eine Bestandsaufnahme voraus.
Ist eine Migration von Shopware 5 auf 6 ein Update?
Nein. Shopware 6 ist technisch ein neues System (Symfony statt Zend, Twig statt Smarty). Daten (Produkte, Kunden, Bestellungen) ziehen über den Migrations-Assistenten um, aber Theme und Plugins werden neu gebaut. Plane es als Relaunch.
Bleiben meine Google-Rankings bei der Migration erhalten?
Nur mit sauberem SEO-Umzug. Shopware 6 nutzt eine andere URL-Struktur – ohne vollständiges 301-Redirect-Mapping der alten Adressen verlierst du Rankings. Das ist der häufigste und teuerste Migrationsfehler und gehört fest in den Projektplan.
Was passiert mit meinen Shopware-5-Plugins?
SW5-Plugins laufen nicht in Shopware 6. Für jede benötigte Funktion brauchst du ein SW6-Plugin, eine Neuentwicklung – oder die bewusste Entscheidung, sie wegzulassen. Die Migration ist eine gute Gelegenheit, Altlasten auszusortieren.
Shopware 6 oder Shopify – was ist die bessere Wahl?
Es kommt auf dein Geschäft an. Shopware 6 punktet bei B2B, komplexen Sortimenten und hoher Individualisierung. Shopify punktet bei schlanken B2C-Prozessen, geringer Wartung und schnellem Go-Live, hat aber Transaktionsgebühren und weniger Customizing. Diese Entscheidung gehört an den Anfang des Projekts.
Wird mein Shopware-5-Shop jetzt unsicher?
Mit der Zeit ja. Seit dem Support-Ende (31.07.2024) gibt es keine Sicherheits-Updates mehr – neu entdeckte Lücken bleiben offen. Kurzfristiger Weiterbetrieb ist möglich, aber mit steigendem Risiko für Daten, Zahlungen und deine Haftung.
Kann die Migration über die BAFA gefördert werden?
Migrations- und Strategieberatung fällt häufig unter klassische Unternehmensberatung und kann unter Umständen über die BAFA-Förderung bezuschusst werden. Die Förderfähigkeit hängt vom Einzelfall ab – am besten vor Projektstart klären.
