Was kostet ein Shopware-5-Ausstieg?
Kurz: Die Migration selbst kostet typischerweise 10.000 bis 25.000 € netto. Teuer wird nicht der Umzug der Daten, sondern die Individualisierung: Bei vollständig eigenem Design, nachgebauten Plugin-Funktionen und angepassten Prozessen sind auch sechsstellige Gesamtbudgets realistisch. Davor steht ein Analyse-Workshop für 3.500 € netto, der als Beratungsleistung BAFA-förderfähig ist. Wer bleibt, zahlt ebenfalls: Sicherheitsupdates gibt es seit dem End-of-Life am 24. Juli 2024 nur noch kostenpflichtig über safefive.
Die Positionen im Überblick
| Position | Größenordnung | Wovon es abhängt |
|---|---|---|
| Analyse-Workshop vor der Entscheidung | 3.500 € netto | Ein Tag Analyse, danach Roadmap und Anforderungen. Als Beratungsleistung BAFA-förderfähig, dann bleiben typischerweise 1.750 € Eigenanteil. |
| Migration im Kern | 10.000 bis 25.000 € netto | Daten überführen, Struktur aufbauen, ein Standard-Theme an die Marke anpassen, Schnittstellen anbinden und sauber weiterleiten. Dieser Teil ist gut kalkulierbar, weil er in fast jedem Projekt ähnlich läuft. |
| Individualisierung | der eigentliche Hebel | Individuelles Design, nachgebaute Plugin-Funktionen und angepasste Prozesse treiben den Preis. Hier entstehen die Unterschiede zwischen einem 15.000-€-Projekt und einem sechsstelligen Budget, nicht bei der Datenmigration. |
| Laufende Systemkosten danach | ab etwa 4.500 € im Jahr | Beide Zielsysteme kosten laufend Geld, und die Lücke ist kleiner geworden. Shopware verlangt seit 2025 ab 1 Mio. € Umsatz eine kostenpflichtige Lizenz, Shopify kostet ohnehin monatlich. Details in der Tabelle weiter unten. |
| Bleiben auf Shopware 5 | umsatzabhängig | Sicherheitsupdates gibt es seit dem End-of-Life nur noch kostenpflichtig über safefive. Der Preis richtet sich nach dem Shop-Umsatz; safefive nennt als Beispiel 12.480 € im Jahr bei 10 Mio. € Umsatz. |
Die Projektspanne stammt aus meiner eigenen Angebotspraxis, die safefive-Zahl aus einer öffentlichen Beispielrechnung des Anbieters. Lizenz- und Tarifpreise von Shopware und Shopify ändern sich, prüfen Sie diese vor einer Entscheidung aktuell nach.
Was den Preis wirklich treibt
Die häufigste Fehlannahme ist, dass die Zahl der Produkte den Preis bestimmt. Das tut sie fast nie. Der Umzug der Daten ist der planbarste Teil des Projekts. Entscheidend sind fünf andere Punkte:
Individuelles Design
Ein an die Marke angepasstes Standard-Theme ist schnell umgesetzt. Ein vollständig eigenes Design mit individuellen Seitenvorlagen ist ein eigenes Projekt daneben. In Agenturprojekten habe ich erlebt, dass allein die Designphase 30.000 € gekostet hat und das Gesamtbudget bei fast 100.000 € lag.
Schnittstellen
ERP, Warenwirtschaft, Buchhaltung, Versand und PIM müssen neu angebunden und mit echten Daten getestet werden. In Projekten ohne aufwändiges Design ist das der größte Einzelposten, und er wird fast immer unterschätzt.
Individuelle Plugins
Für jedes Plugin gibt es drei mögliche Antworten: ersetzen, nachbauen oder streichen. Nachbauen ist die teuerste, streichen die günstigste. Welche Antwort gilt, klärt die Analyse vor dem Projekt.
Datenmigration
Produkte, Varianten, Kategorien, Kunden und Bestellhistorie werden überführt und dabei neu strukturiert. Aufwändig wird es, wenn über Jahre gewachsene Datenfelder keiner Logik mehr folgen.
SEO und Weiterleitungen
Jede alte URL braucht ein Ziel. Ohne vollständiges Weiterleitungskonzept sind Rankingverluste die Regel. Dieser Posten ist klein im Aufwand und groß in der Wirkung.
Was das Zielsystem laufend kostet
Die verbreitete Faustregel „Shopware ist kostenlos, Shopify kostet monatlich" gilt seit 2025 nicht mehr. Shopware hat für die Community Edition eine Umsatzgrenze eingeführt, ab der eine bezahlte Edition verlangt wird. Damit liegen beide Systeme bei den laufenden Kosten näher beieinander, als viele annehmen.
| System | Preis | Grenze | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|---|
| Shopware Community Edition | 0 € Lizenz | nur bis 1 Mio. € Umsatz im Jahr | Seit der Fair-Usage-Policy vom März 2025 ist die kostenlose Edition an eine Umsatzgrenze gebunden, inklusive Meldepflicht. Darüber wird eine bezahlte Edition verlangt. Hosting, Updates und Wartung kommen in jedem Fall dazu. |
| Shopware Rise | ab 600 € im Monat | bis 2 Mio. € Umsatz enthalten | Der übliche Einstieg für Shops, die über die Grenze der Community Edition wachsen. Hosting und Betreuung sind weiterhin separat. |
| Shopware Evolve | ab 2.400 € im Monat | bis 5 Mio. € Umsatz enthalten | Enthält die B2B-Funktionen wie Angebotsverwaltung sowie Budget- und Freigabeprozesse. |
| Shopify Basic bis Advanced | 33 bis 384 € im Monat | kein Umsatzdeckel im Tarif | Hosting, Updates und Sicherheit sind enthalten. Dafür kommen Transaktionsgebühren dazu, und wer einen externen Zahlungsanbieter statt Shopify Payments nutzt, zahlt zusätzlich. |
| Shopify Plus | ab etwa 2.100 € im Monat | individuell verhandelt | Relevant bei hohem Volumen, mehreren Ländershops oder wenn tiefere Eingriffe in den Checkout nötig sind. |
Recherchestand August 2026, alle Beträge netto. Tarife und Grenzen ändern sich, prüfen Sie die aktuellen Konditionen vor einer Entscheidung direkt beim Anbieter.
Zahlungsgebühren gibt es überall, nur an andere Empfänger
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass nur Shopify Transaktionsgebühren kostet. Jeder Shop zahlt für die Zahlungsabwicklung, die Frage ist nur, an wen. Marktüblich liegen die Gebühren eines Zahlungsanbieters bei etwa 1,5 bis 3% je Transaktion, abhängig von Zahlart, Land und Volumen.
Der reale Unterschied liegt woanders: Shopify erhebt über Shopify Payments je nach Tarif rund 1,6 bis 2,1% plus 0,30 € und verlangt zusätzlich 0,6 bis 2%, wenn Sie stattdessen einen anderen Anbieter einsetzen. Die freie Anbieterwahl kostet dort also extra. Bei Shopware zahlen Sie Ihrem Anbieter direkt, ohne Aufschlag der Plattform, dafür ist die Lizenz an den Umsatz gekoppelt.
Neu in der Rechnung ist Shopware Payments, die eigene Zahlungslösung von Shopware. Sie arbeitet transaktionsbasiert ohne zusätzliche Lizenzkosten, die konkreten Sätze verhandelt Shopware abhängig von Region, Zahlarten und Volumen und veröffentlicht sie nicht als Preisliste. Einordnend dazu: PayPal ist seit Oktober 2025 mit 41% an Shopware beteiligt, nachdem beide 2022 gemeinsam mit Carlyle 100 Mio. US-Dollar investiert hatten. Dass die Plattform stärker ins Zahlungsgeschäft geht, ist vor diesem Hintergrund folgerichtig und für Händler ein Punkt, den man im Blick behalten sollte.
Bleiben ist auch eine Rechnung
Ein Wechsel wird oft mit dem Nichtstun verglichen, als wäre Nichtstun kostenlos. Das ist es seit dem End-of-Life nicht mehr. Wer auf Shopware 5 bleibt, zahlt die safefive-Gebühr, hat keine neuen Funktionen zu erwarten und findet für Anpassungen immer schwerer Entwickler. Gleichzeitig altern die Plugins mit.
Die ehrliche Rechnung stellt deshalb nicht Migration gegen Null, sondern Migration gegen die Summe aus Lizenz, Wartung und dem Risiko, irgendwann unter Zeitdruck wechseln zu müssen. Ein geplanter Wechsel ist fast immer günstiger als ein erzwungener.
End-of-Life-Datum und Update-Situation: safefive.de sowie die offiziellen Shopware-Hinweise zum Support-Ende von Shopware 5.
Umsatzgrenze der Shopware Community Edition und Editionspreise: Fair-Usage-Policy von Shopware, eingeführt am 24. März 2025, sowie die öffentlichen Editionspreise. Shopify-Tarife nach den öffentlichen Preisangaben für Deutschland, Stand August 2026.
Beteiligungsverhältnisse: Pressemitteilungen von Shopware und Carlyle zur Wachstumsfinanzierung über 100 Mio. US-Dollar (Februar 2022) sowie zur Aufstockung der PayPal-Beteiligung auf 41% (Oktober 2025). Konditionen von Shopware Payments werden vom Anbieter nicht öffentlich als Preisliste geführt.
Projektspanne 10.000 bis 25.000 € netto: eigene Angebots- und Projektpraxis, Stand August 2026.
Häufige Fragen zu den Kosten
Im Analyse-Workshop nehmen wir Plugins, Schnittstellen und Daten auseinander. Danach steht ein Festpreis statt einer Spanne.